Hinter den Kulissen der Stadtbahnen Bonns:
Werkstatt und Zweiterstellung
Auch dieses Fotoprojekt führt an Orte, die wir im Alltag kaum wahrnehmen, die aber dafür sorgen, dass unsere Städte funktionieren. Während mein Projekt „Es brennt“ hinter die Kulissen der Abfallwirtschaft und Müllverbrennung blickte, richtet dieses Projekt den Fokus auf etwas ebenso Alltägliches: Wie bleiben unsere Straßen- und Stadtbahnen eigentlich im Betrieb? Was passiert, wenn eine Bahn morgens ausrückt, tagsüber verschleißt und abends gewartet werden muss?
Der Ausgangspunkt lag für mich wortwörtlich vor der Haustür: der große Betriebshof der Stadtwerke Bonn in Dransdorf. Hier stehen die Bahnen über Nacht, hier werden sie geprüft und instandgesetzt, gereinigt und für den nächsten Tag vorbereitet. Zwischen Werkzeugwagen, Gruben, Fahrständen und Rangierfahrten entsteht ein hochspezialisierter Alltag, der gleichzeitig eine beeindruckende Selbstverständlichkeit hat.
Zum Projekt gehörte auch ein zweiter Ort: die große Werkstatt in Beuel, in der die sogenannte Zweiterstellung der Bonner Stadtbahn-Fahrzeuge durchgeführt wurde. Dieses Programm begann 2007, als die Frage im Raum stand: Neue Bahnen kaufen oder die vorhandenen aus den 1970er Jahren umfassend erneuern? Die Analyse ergab, dass Fahrgestell, Wagenkasten und technische Basis hinreichend solide waren, aber vieles eben nicht mehr zeitgemäß.
Die Zweiterstellung bedeutete eine vollständige Entkernung und Wiederaufrüstung der Fahrzeuge: alte Motoren und Drehgestelle blieben, doch Kabelbäume, Innenräume, Fahrstände, Elektronik und Design wurden komplett modernisiert. Schritt für Schritt entstanden aus alten Bahnen funktional neue.
Ich durfte die Schlussphase der letzten beiden Fahrzeuge der 25 zweiterstellten Einheiten fotografisch begleiten: Wagenkästen, die wie Skelette in der Werkstatt standen, frisch lackierte Außenhaut, neu gezogene Leitungen, Detailarbeit bis in die kleinste Halterung.
Dieses Projekt erzählt von Technik, Handwerk, Verantwortung – und von den Menschen, die dafür sorgen, dass Mobilität verlässlich bleibt, auch wenn wir sie im Alltag kaum bemerken.
Ein Buch als Abschluss – und ein großes Kompliment
Über dieses Projekt habe ich lange kaum etwas öffentlich erzählt – vielleicht, weil es still vor sich hingewachsen ist. Die Fotografien entstanden bereits 2022, wurden sortiert, gesichtet und wanderten erst einmal in die Schublade. Es war eine intensive Zeit in den Werkstätten in Dransdorf und Beuel, doch ohne konkretes [...]
