Ein Jahr bei den Menschen vom Ordnungsdienst der Stadt Bonn
Texte: Dagmar Hänel

Etwas länger als ein Jahr begleitete der Bonner Fotograf Stephan Eickschen den Ordnungsdienst der Stadt Bonn. Nachtschichten, Wochenendeinsätze, Arbeitsalltag ob im Verkehrsaußendienst, bei Ruhestörungen, Tierrettungen oder für Menschen in Notsituationen. Denn es geht nicht nur um Knöllchen – der Ordnungsdienst hat vielfältige Aufgaben und übernimmt eine wichtige Rolle für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger.
Was bedeutet eigentlich „öffentliche Ordnung“?
Der öffentliche Raum der Stadt wird von allen genutzt. Damit das gelingt, braucht es Regeln – also eine Ordnung. Nicht nur die Polizei als Landesbehörde, sondern vor allem das städtische Ordnungsamt sorgen für die Einhaltung dieser Regeln. Damit alle gemeinsam im öffentlichen Raum der Stadt sicher unterwegs sein können.
Sechs Geschichten vom Arbeitsalltag
Die Ausstellung zeigt in sechs Geschichten verschiedene Facetten des Arbeitsalltags im Ordnungsdienst. Hierzu gehören Außen- und Innendienst, der Blick und die Sorge um besonders gefährdete Gruppen. Die Arbeitsfelder des Ordnungsdienstes spiegeln unsere Gesellschaft und das, was den Menschen wichtig, lieb und teuer ist: Auto-Mobilität, (Haus-)Tiere, das Bedürfnis nach Ruhe im Privatraum, die Freude am Feiern im Karneval oder an Pützchens Markt. Sie zeigen auch, wo die Menschen besonders verletzlich sind und Schutz brauchen: Kinder und Jugendliche, Menschen mit psychischen Erkrankungen, Menschen am Rande der Gesellschaft.
Uniformierter Berufsalltag

Wenn die Mitarbeitenden des Ordnungsdienstes zum Dienstbeginn ihre Uniform anziehen, wechseln sie die Rolle. Sie sind dann Repräsentanten der Stadt und der städtischen Ordnung. So begegnen sie den Bürger:innen: klar im Aufzeigen von Regelbrüchen, zugewandt gegenüber Menschen in Not, professionell im Handeln. Die Uniform schützt und exponiert gleichzeitig: Sie hebt hervor, macht die Mitarbeitenden des Ordnungsdienstes sofort erkennbar. Die individuelle Person tritt hinter die professionelle Rolle zurück. Bis diese Rolle mit der Uniform abgelegt und der einzelne Mensch mit seinen ganz persönlichen Eigenheiten, Träumen, Lebensentwürfen in der persönlichen Kleidung wieder zum Vorschein kommt.
Verkehrsaußendienst
Zur Ordnung im öffentlichen Raum gehört der Straßenverkehr, insbesondere der ruhende. Jeder kennt die leidige Suche nach einem Parkplatz, jeder kennt auch die Regeln, die den Parkraum strukturieren. Die Durchsetzung dieser Regeln durch Verwarnungen, Bußgelder oder gar das kostenpflichtige Abschleppen von Fahrzeugen ist Aufgabe des Verkehrsaußendienstes im kommunalen Ordnungsamt. Es geht dabei nicht um das Auffüllen der Stadtkasse oder eine kleinliche Regelungswut. Denn im Notfall bedeutet eine zugeparkte Straße, dass Rettungseinsätze nicht durchkommen und Menschenleben riskiert werden.
Das Backoffice im Hintergrund und der rollende Arbeitsplatz
Wie sieht aber der Arbeitsplatz der Mitarbeitenden aus? Koordiniert werden alle Einsätze in der Leitstelle – egal, ob Verkehrsaußendienst oder Kommunaler Ordnungsdienst. Und auch reguläre Büroarbeit gehört mit zum Tätigkeitsspektrum. Letztendlich ist aber die gesamte Stadt der Arbeitsplatz und das Einsatzfahrzeug immer wieder das rollende Büro. Und wie bei jedem Arbeitsplatz, gehört die Pflege auch dazu.
Der ganz normale Außendienst
Der Außeneinsatz des kommunalen Ordnungsdienstes umfasst vielfältige Aufgaben, die sich nur selten planen und vorbereiten lassen. Der Dienst beginnt oft unspektakulär: Ausgestattet mit einem Ordner voller Zustellungen machen sich die Teams im Blau-Weißen Dienstwagen auf den Weg. Zugestellt werden unterschiedlichste Anordnungen der Stadt: für den Halter eines Hundes, der nach Beißvorfällen nun einen Maulkorb tragen muss, oder für den Fahrzeughalter, dessen Auto ohne Versicherungsschutz aus dem Verkehr gezogen wird. Alle Zustellungen und Zustellversuche werden dokumentiert, hier wird das Dienstfahrzeug zum rollenden Büro.
Immer wieder kommen neue Einsätze, wenn Bürgerinnen und Bürger um Hilfe bitten. Das kann der im Sturm umgefallene Baum sein, der abgesichert wird, der verletzten Vogel, der zum Tierarzt gebracht wird oder eine verwirrte und desorientierte Person in der Fußgängerzone.
Der kommunale Ordnungsdienst ist unterwegs und präsent in der Stadt, ob als Fußstreife oder im Auto. Die Mitarbeitenden erkennen Situationen, die einer Klärung bedürfen und handeln: der scheinbar herrenlose Rucksack auf dem Bürgersteig wird vorsichtig untersucht und seinem Besitzer zurückgegeben, das leere Auto auf dem Feldweg überprüft.
Mit Dienstende sind verschiedenste Einsätze in der Stadt dokumentiert. Und die nächste Schicht wird auf jeden Fall andere und neue Ereignisse bringen. Auch das gehört zur Routine.
Mittendrin
Zum Alltag einer Stadt wie Bonn gehört auch der Ausstieg aus dem Alltag – Feiern, Singen und Tanzen, der Konsum von Alkohol oder anderer Drogen. Vor allem am Wochenende und bei den großen öffentlichen Festen wie Karneval, Rhein in Flammen, Pützchens Markt oder dem Weihnachtsmarkt ist der kommunale Ordnungsdienst mit vielen Mitarbeitenden im Einsatz. Hier ist der Schutz von besonders schutzbedürftigen Menschen zentral: ist Alkohol auch eine ständig verfügbare Alltagsdroge, sein Konsum ist für Minderjährige verboten – aus gutem Grund.
In oft unübersichtlichem Gedränge der Großveranstaltungen braucht es Überblick. Mit wachem Auge wird permanent die Situation beobachtet und wenn es erforderlich ist, eingeschritten: Mit klarer Ansprache und körperlicher Präsenz, auch mit Platzverweisen oder Festnahmen. Und im nächsten Moment wieder zugewandt den Weg zurück zum Parkplatz erklären.
Am Rand
Eine besondere Beziehung haben Mitarbeitende des Ordnungsdienstes zu denen, die am Rand der Gesellschaft leben: Obdachlosigkeit und Prostitution sind gesellschaftliche Bereiche im Abseits. Die Menschen, die hier betroffen sind, haben oft eine große Distanz zu staatlichen Institutionen und ihren Vertretern. Mit ihrer Präsenz in der Stadt und den Aufgaben beispielsweise der Überwachung der Gesundheitszeugnisse von Prostituieren sind die Mitarbeitenden des Ordnungsdienstes auch hier die Gesichter der Stadt. Die besondere Schutzbedürftigkeit dieser Menschen nimmt der Ordnungsdienst sehr ernst. So gehört eine Ausstattung mit Schlafsäcken und Decken, die an Obdachlose abgegeben werden können, nicht nur im Winterhalbjahr in die Dienstfahrzeuge.
Auch manche psychische Erkrankung führt dazu, dass Menschen im Sinne der öffentlichen Ordnung auffallen. Sie brauchen Hilfe und Schutz, manchmal vor sich selbst. Der Umgang mit psychisch Kranken ist für die Mitarbeitenden des Ordnungsdienstes herausfordernd: sie beruhigen und deeskalieren, begleiten den Transport im Rettungswagen bis zur Klinik.
Im Dunkeln
Die Nachtschicht ist oft geprägt von Einsätzen zum Jugendschutz. Konsum von Alkohol oder Drogen wie Lachgas sind fast regelhafter Anlass für Einsätze auf Schulhöfen, Parks und Plätzen der Stadt. Der kommunale Ordnungsdienst agiert hier klar im Sinne des Jugendschutzes – Jugendliche werden angesprochen, das Alter überprüft und Minderjährigen der Alkohol entzogen. Immer wird das Gespräch gesucht, wird aufgeklärt über Risiken und bei Bedarf auch für einen sicheren Heimweg gesorgt.













































