Herman van Veen, Kind:

„Ein Fenster ist ein Loch
Ein Glas, durch das man schaut
(…)“

Es brennt.

17 Momente vom Ende aller Dinge.

Kunstfenster Rheydt, 6. März 2022 bis 30. April 2022

Es brennt. 17 Momente vom Ende aller Dinge.

Es brennt. 17 Momente vom Ende aller Dinge.

In diesem Bild schauen wir in den Kessel der Müllverwertungsanlage Bonn, direkt auf den Rost mit brennendem Müll. Dorthin, wo alles das verbrannt wird, was Menschen aus Bonn und Umgebung übrig lassen, wegwerfen, entsorgen: Vom Wattestäbchen über Essensreste, nicht ordnungsgemäß getrennten Wertstoff bis hin zu Giftstoffen. Das Feuer frisst alles. Zuletzt auch die Abfälle aus den Gebieten der Flutkatastrophe im Juli 2021.

Der Blick in diesen Brennkessel, an einen Ort, der unserer Alltagserfahrung entzogen ist, stellt Fragen: Wie entsorgen wir in Zukunft unseren Abfall? Wird es echtes Zero Waste geben? Wo und wie werden wir in einer alternden Gesellschaft z.B. medizinische Abfälle wie Medikamentenreste sicher entsorgen, also ohne Risiko für Luft, Boden, Wasser?

Das Bild ist eine Montage aus 17 Einzelbildern. Die Lichtverhältnisse und die selbstschließende Klappe im Sichtfenster, die normalerweise den Blick in den Kessel verwehrt, erforderten es, eine ganze Serie mit unterschiedlichen Belichtungen und Eindrücken zu machen. Dadurch entstand ein Bild, dass es so in der Realität niemals gibt, aber für alle, die schon einmal vor Ort waren, sehr real, gar vertraut wirkt.

Feuer ist eins der vier so genannten Grundelemente Erde, Luft, Wasser und Feuer der Vier-Elemente-Lehre, die ca. im siebten vorchristlichen Jahrhundert im archaichen Griechenland entstand. Feuer wurde den höchsten Göttern (z.B. Zeus, Jupiter) zugeordnet, seine Ambivalenz zwischen Vernichten und Erschaffen spiegelt sich im mythischen Vogel Phönix wieder, der am Abend verbrennt und am Morgen aus der Asche wieder aufersteht. Der sprichwörtliche Phönix aus der Asche.

Ob nun durch Prometheus in die Welt gebracht oder — neben Zeus — in der “Zuständigkeit” des Hephaistos: Feuer spielt seit jeher eine im wahrsten Sinne elementare Rolle in der Menschheitsgeschichte und damit der Mythologie. Viele bis heute lebendige oder auch wiederbelebte Feuer-Bräuche (Osterfeuer, Feuerräder etc.) zeugen davon.

Feuer vernichtet
Feuer reinigt
Feuer wandelt um
Feuer schafft neues

Das alles findet sich in diesem Feuer wieder: Das Feuer zerstört auf den ersten Blick den Müll, der auf den Rost gegeben wird. Dadurch entsteht zunächst Wärme, die zur Erzeugung von Strom und Fernwärme genutzt wird. Das Müll-Feuer lässt nichtbrennbare Dinge übrig, die aus der Schlacke zurückgewonnen werden können. So zum Beispiel Metalle, die dem Recycling zugeführt werden. Im Feuer werden vom Müll Schad- und Giftstoffe abgetrennt, die vor allem mit der Asche und den Rückständen aus den Rauchgasfiltern sicher deponiert werden.

Am Ende bleiben noch ein paar Worte zur Floskel “für etwas (zu) brennen”. Wer sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt, kommt um die Müll-Frage nicht herum. Als (ehemaliger) Polar- und Klimaforscher brenne ich für Fragen der Ver- und Entsorgung. Es sind Schlüsselfragen für die Transformation zu einer klimaneutralen Gesellschaft.

Herzlichen Dank an die Müllverwertungsanlage Bonn, dass ich das Projekt realisieren durfte.

Dieses Projekt wurde realisiert in Zusammenarbeit mit:

Herzlichen Dank für die tolle Zusammenarbeit! Im Making Of habe ich etwas zur Herausforderung der besonderen Form des Kunstfensters geschrieben.