Es gab einen Anlass, dass ich mich einer Untersuchung im MRT unterzogen habe. Das Wichtigste vorweg: Der Befund war unauffällig, also alles in Ordnung. Schon beim entspannten Nachgespräch mit dem Radiologen nahmen allerdings sehr schnell andere Gedanken Raum ein.

Im Grundstudium hatte ich einige Vorlesungen und Praktika in Kernphysik belegt. Das Messprinzip dieser „Versuchsanordnung“ war mir deshalb zumindest theoretisch bekannt. Nun war ich gespannt, das Verfahren einmal am eigenen Körper zu erleben. Und natürlich auch darauf, wie ich mit der Enge in der Röhre und dem ungewohnten Lärm zurechtkommen würde. Enge in ungewohnter Umgebung kenne ich schließlich aus dem Bergbau. Am Ende hat alles gut geklappt. Angenehm ist allerdings anders.

Viel stärker beschäftigt mich im Nachhinein aber etwas anderes: Was sehe ich eigentlich auf diesen Bildern? Es ist mein Kopf. Mein Gehirn. Das Organ, mit dem wir denken, Erinnerungen speichern, Entscheidungen treffen und kreativ sein können. Und nun liegt es plötzlich als eine Reihe von grauen, schwarzen und weißen Schnittbildern vor mir. Ich kann Strukturen erkennen. Helle und dunkle Bereiche, symmetrische Formen, Linien und Flächen. Ich kann mir erklären lassen, was davon was ist. Aber erkenne ich mich darin? Natürlich nicht. Ich sehe mein Gehirn, aber ich sehe keine Erinnerung, keinen Gedanken, kein Gefühl. Ich sehe nicht die Bilder, die ich fotografiert habe, nicht die Menschen, die mir wichtig sind, nicht die Landschaften, mit denen ich Erinnerungen verbinde. Und doch ist all das in und mit genau diesem Organ verbunden.

Vielleicht liegt genau darin etwas Faszinierendes. Das MRT macht etwas sichtbar, das wir normalerweise niemals zu Gesicht bekommen. Und trotzdem erzählen diese Bilder nur wenig von dem Menschen, der ich bin. Sie zeigen eine biologische Struktur von mir – aber nicht mich. Vielleicht ist das auch eine interessante Parallele zur Fotografie: Ein Foto zeigt auch immer nur einen Ausschnitt. Es kann viel erzählen und lässt doch oft noch mehr offen.